Kategorie: Hörspiele,Maestro

Wie es für mich war

Es gab einmal eine Zeit im Leben

in der Du sagtest es wäre für Dich

wie

ein Blätterrauschen im kühlen Herbstwind

eine heiße Badewanne, in die kaltes Wasser strömt

ein Sommergewitter im Maisfeld

sommerlicher Morgentau vor der Schwüle des Tages

ein kaltes Leupser in Deinem Bauchnabel

Wie Kaffeegeruch nach einer durchzechten Nacht

wie unerträgliche Stille im Sturm des Waldes

wie der Duft von Lagerfeuer auf Klamotten

wie eine zufällige, aber zärtliche Berührung

wie plötzliche Gleichheit in einem Gespräch

wie eine verbotene Leuchtlaterne, die man an warmen Sommernächten steigen lässt

wie Bob Marley in dieser Minute…

und ich, ich wusste nicht was ich sagen soll

fand keine Worte und Antworten

war überwältigt von so viel Gefühl und Intimität

Und es war allein die erste Nacht von der Du sprachst

Jetzt ist all das verweht, wie die Blätter im Herbstwind

Die Badewanne ist kalt

Das Gewitter grollt in der Ferne, nur die Spannung ist geblieben

Der Tau ist klamm und kalt, ich bin drauf ausgerutscht

Das Leupser ist schal und Dein Bauchnabel fern

Ich koche keinen Kaffee mehr für Dich

Die unerträgliche Stille füllt mein Heim, da Du nicht mehr hier lachst und wuselst

Der Sturm fegt durch mein Herz und lässt mich gebrochen zurück

Das Lagerfeuer in Dir ist erloschen, nur meine Klamotten sind noch bei Dir

und manchmal kann ich Dich noch riechen

Niemand berührt mich mehr

Du sprichst nur noch selten mit mir und dann reden wir von Ungleichheit

die warmen Sommernächte sind einsam und voller Mücken

wenn etwas steigt, dann fühlt es sich verboten an, denn Deine rote Laterne

sie leuchtet für einen Anderen

aber Bob Marley lässt mich nicht im Stich…

Ich erinnere mich noch so gut an diese erste Nacht

wir waren beide so verängstigt

schüchtern

neugierig

liebevoll

und überwältigt

Und es gab so viele schöne Nächte danach

so viele erfüllende Momente

Und für sie finde ich nun Worte:

Es war für mich

wie

eine Blume, die unter meinen Händen erblüht und die ich Dir schenken kann

Musik, die mich erfüllt vom ersten Ton an

eine warme Decke an einem kalten Wintertag

eine Schnecke, die ich auf Händen trag

Heimat, die ich zuvor nie gekannt

ein Sonnenstrahl, der durch dichte Wolken gebrannt

ein Meer aus Licht und ein Ozean der Liebe

stürmisch und sacht, gepeitscht und voller Gischt

eine Sonate gespielt auf dem schönsten Instrument, das ich je in Händen hielt

manchmal furchteinflößend

Dir dienen indem ich Dein Meister war

Dich erblicken so wehrlos, hilflos und doch stärker als je zuvor

wie eine Naturgewalt, die über uns rollt

die Demut, die einen ergreift, wenn man ein vollendetes Kunstwerk bewundert

sich selbst zu finden indem man gemeinsam seine Grenzen überwindet

Schösslinge, die durch die Erde brechen und das erste Mal das Sonnenlicht berühren

ein Schlittschuh, der mir den Kopf wegtritt

und meinen Körper füllt mit einer Blumenwiese

ein Befreiungsschrei

Rausch ohne Kater, der in sanften Wellen ausläuft, die mich ans Ufer der Realität tragen

ein Konzert, dessen Stimmung und Lieder einen durch den Rest des Lebens begleiten

wie im Gummistuhl auf hohen Wellen reiten

Tee am Bett zur Morgenstunde

eine fröhliche Gesprächsrunde

Sonne auf dem Bauch

der Duft von Lauch

vor allem und auch

Du!

0 %

gelesen